30 Jahre nach «Schweizerhalle»

Der 1.11.86 hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Region Basel eingeprägt. Heute, am 1. November 2016, jähren sich der Grossbrand in Schweizerhalle und die darauf folgende Umweltkatastrophe zum dreissigsten Mal. Das Ereignis war der Auslöser für die Einrichtung einer konsequenten, international vernetzten Überwachung des Rheins. Diese hat seither zu einer entscheidenden Verbesserung der Rheinwasserqualität beigetragen.

Ein beissender Geruch war es, der die Einwohnerinnen und Einwohner der Region Basel am frühen Samstagmorgen des 1. Novembers 1986 erschreckte und viele davon abhielt, aus dem Haus zu gehen. Das Feuer in einer Lagerhalle mit Agrochemikalien auf dem Industrieareal Schweizerhalle hatte zu grosser Rauchentwicklung geführt. Der Rauch war unschädlich, wie sich später herausstellen sollte. Nicht absehbar war aber am Morgen nach der Brandnacht, welchen Schaden die zirka 500 Tonnen chemische Substanzen anrichten würden, die mit dem Löschwasser ungeklärt in den Rhein gelangt waren. Das Löschwasser färbte den Rhein rot und führte zu einem Fischsterben von nicht gekanntem Ausmass. Der Rhein zwischen Schweizerhalle und dem 300 Kilometer entfernten Mainz galt in der Folge als biologisch tot.

Nach dieser Umweltkatastrophe beschlossen die Rheinanliegerstaaten, das System der Früherkennung im Gewässerschutz auszubauen und zu vernetzen, um auf einen plötzlichen Anstieg der Konzentration gefährlicher Stoffe rasch und grenzüberschreitend reagieren zu können. Dabei ging es – damals wie heute – primär darum, die Trinkwasseraufbereitung der Stadt Basel und der flussabwärts gelegenen Wasserwerke am Rhein mit ihren rund 22 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten vor unerwünschten Fremdstoffen zu schützen. 1993 wurde die Rheinüberwachungsstation (RÜS) in Weil am Rhein (D) bei Basel eingerichtet. Heute verfügt sie über die weltweit modernste Anlage zur Überwachung eines Fliessgewässers. Die RÜS und das zugehörige Labor für Umweltanalytik werden vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt betrieben, finanziert durch das schweizerische Bundesamt für Umwelt sowie die Partnerbehörde im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz.

Rund um die Uhr nimmt die RÜS heute Wasserproben und überprüft täglich routinemässig 380 Parameter. Eine in den letzten Jahren eingeführte, viel präzisere Mess- und Analysetechnik für organische Spurenstoffe hat das Spektrum der erfassten Verbindungen stark erweitert. Inzwischen können praktisch alle Einträge, die unterhalb der grossen Seen durch Störfälle und Dauereinleitungen in die Zuflüsse oder direkt in den Rhein gelangen, ausfindig gemacht und im Idealfall bis zu den jeweiligen Verursachern zurückverfolgt werden. So können die Regionen und Städte unterhalb von Basel rechtzeitig vor Schadstoffwellen im Fluss gewarnt werden. Zugleich hat das Monitoring im schweizerischen Einzugsgebiet des Rheins eine präventive Wirkung. Es schärft das Umweltbewusstsein der potenziellen Verursacher von Gewässerbelastungen und motiviert die Industrie, ihre Prozesse noch sorgfältiger zu überwachen und Einleitungen von wassergefährdenden Stoffen in den Rhein möglichst zu verhindern. Die partnerschaftliche Kooperation der Behörden mit der Wirtschaft erweist sich dabei als wichtiger Erfolgsfaktor.

So hatte das Grossereignis Schweizerhalle trotz aller negativen Auswirkungen auf die Umwelt durchaus auch positive Effekte: Chemikalienlager sind seither sicherer geworden, Rückhalteeinrichtungen wurden installiert, die Alarmorganisationen sind bestens geschult und vorbereitet, und auch die Rheinwasserqualität ist um ein Vielfaches höher als damals. Ein Wermutstropfen bleibt: Um all diese positiven Änderungen herbeizuführen, war eine Katastrophe notwendig – bei welcher Basel insgesamt aber sehr viel Glück gehabt hat.

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